Chronik

Auf der Wiesn

Über 100 jährige Familientradition der Familie Guderley mit dem Wiener Eispalast auf dem Münchner Oktoberfest.

Gutes bleibt.
Nur mit zwei Worten kann man erklären, warum der „Wiener Eispalast“ schon seit über 100 Jahren immer wieder fürs Oktoberfest aufgebaut wird. Natürlich zeigt kann man dort keine virtuosen Rittberger und Salchows und es werden auch keine Skulpturen mit der Säge aus dem Eis befreit.

Im Wiener Eispalast gibt‘s Herzerl und Eis, Schokofrüchte und Mandeln. Unspektakulär, finden Sie? Mitnichten! Das Eis ist hier noch hausgemacht. Die Mandeln und Nüsse gibt‘s in über zehnerlei Sorten und auf den Lebkuchenherzen stehen süße Botschaften, die die Chefin selbst kreiert hat.

Mit dem Wiener Eispalast, einer Verkaufsbude für Eis und Süßwaren, war Hans Strössner, der Großvater der heutigen Besitzer, erstmals auf dem Oktoberfest 1908 zugelassen. Das Fruchteis – seine Spezialität –  wurde damals noch mit der Hand gespachtelt und am Abend waren die zwei Bottiche Speiseeis ausverkauft.

Wie schon damals sind gebrannte Mandeln, Lebkuchenherzen, das typische Münchner Oktoberfest Schokoladen-Herz mit seiner roten Folie, und Schokofrüchte im Sortiment und für Stammkunden wird extra „Waffelplattenbruch“ angeboten. Tochter Corinna Eckl-Guderley und Ihr Mann Robert Eckl, halten die Familientradition in zwischen in der 4.Generation hoch. Und führen die Firma Guderley und Sohn OHG, zusammen mit Vater Werner Guderley und Mutter Barbara Lacase-Guderley weiter.

Sortiment

Heute wird das Eis aber nicht mehr in Bottichen von Hand gemacht, sondern mit modernster Technik in überliefert guter Qualität.

Der nostalgische Wagen mit seinem riesigen Angebot an Lebkuchen- und Schokoladenherzen (angeliefert von der Traditionsfirma Fesey Schokolade-Figuren GmbH und Co. KG in Ottobrunn) fällt sofort auf. Sich für den richtigen Spruch auf dem Herz zu entscheiden, ist bei dieser großen Auswahl eine Wissenschaft für sich.

Und wer eine Kugel Eis naschen will, hat schon wieder die Qual der Wahl – mindestens zwölf Sorten Eis werden täglich frisch produziert. Sogar Laktose- und Glutenfreie und auch vegane Sorten stehen abwechselnd zur Wahl.

Nüsse und Mandeln gibt es gleich in über zehn Variationen und auch die Auswahl an Schokofrüchten ist enorm – heuer sind übrigens Erdbeeren in weißer Schokolade ein Renner. Und all denen, die aus Angst vor der Waage schweren Herzens einen Bogen um den „Eispalast“ machen wollen, sei gesagt: Zuckerwatte hat gar nicht so viel Kalorien! Nur 10 Gramm Zucker sind notwendig, um einen fluffigen, weißen Ballon zu produzieren.

Herkunft

Und gleich noch ein Geheimnis wollen wir preisgeben: Der Wiener Eispalast hat gar nix mit der österreichischen Donaustadt zu tun. Die Schaustellerfamilie stammt aus Nürnberg.

Die Süßwaren-Experten aus der Frankenmetropole sind fast das ganze Jahr auf Achse: zu finden das ganze Jahr in der Münchner Innenstadt am Marienplatz, am seit über 30 Jahren bekannten Mandel und Bonbonstand, auf 10 unterschiedlichsten Volksfestplätzen in Bayern und auf 5 verschiedenen Christkindlmärkten. Einer davon auch im wunderschönen Verona/Italien. Erst ab Mitte Januar winken ein paar Ferientage.

Historie auf dem Straubing Gäubodenfest

Der „Wiener Eispalast“ des Schaustellers Werner Guderley mit der Guderley und Sohn OHG, gehört bis Heute zum festen “Repertoire“ des Verkostungsangebots auf dem Straubinger Festplatz. Seit über 100 Jahren, genaugenommen seit 1908, verkauft seine Familie auf dem Straubinger Hagen bereits die kalte Süßspeise und ist somit seit Generationen eng mit der Geschichte des Gäubodenfestes verbunden.

Angefangen hat diese traditionsreiche Beziehung 1908, als Hans Strössner, der Großvater von Werner Guderley, erstmals seine kleine Fruchteishalle auf einem Straubinger Volksfest aufbaute. Ein Jahr vorher war er, erst sechzehnjährig, aufgebrochen, um auf den bayerischen Festplätzen mit der Kunst des Eismachens seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Als Spross einer fränkischen Schaustellerfamilie, die schon seit 40 Jahren mit einem Orientalischen Eispalast von Volksfest zu Volksfest zog, hat er das Eismachen von der Pike auf gelernt.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg hatte sich die kleine Eisbude bereits zu einem ansehnlichen „Eispalast“ gemausert, mit dem Strössner, zusammen mit seiner Frau Lisbeth (geb. Schalwig) in den 1920 Jahren auf den Volksfesten als „Vornehmstes Unternehmen dieser Branche“ und „Moderner Großbetrieb 1. Ranges“ präsentierte. Nach dem frühen Tod von Hans Strössner im Jahre 1924, ein Jahr nach der Geburt seiner Tochter Liselotte, führte seine Frau Lisbeth das Geschäft erst alleine weiter, bis Sie sich Ende der 1920 er Jahre mit Friedrich Herhaus verehelichte, der mit seinem Cousin Herhaus + Siebolt mit 12 Großgeschäften reisten.

Süsswaren Produktion Damals

Das Eis zur Eisherstellung erhielt man damals aus den Kellern von Wirtshäusern und Brauereien vor Ort, die es widerum zum Kühlen Ihrer Biervorräte benötigten. Das Eis wurde zerstoßen und unter der Verwendung von Kochsalz zu einer Kältemischung mit einer Temperatur von unter minus zehn Grad angerührt. Temperaturen, bei denen die Eiskristalle noch nicht schmolzen, es aber erlabten, die Eismasse per Hand zu spachteln. Zusammen mit den beigegebenen Früchten, Säften oder sonstigen Zutaten wie Schokolade, Zimt oder Vanille wurde die Kältemasse zu der beliebten Schleckerei verarbeitet. Bis in den 1920 er Jahren, als die ersten, mobilen Eismaschinen aufkamen, geschah die Herstellung des Speiseeises also noch in mühsamer Handarbeit. In „Strössners Eispalast“ der 1920er Jahre wurden aber nicht nur Eispezialitäten verkauft, sondern auch selbstgemachte Waffeln, Bonbons und gebrannte Mandeln, die man damals „Wiener Krachmandeln“ nannte, sowie die aus dem „Kukurutz“ (mundartliche Bezeichnung für Mais) hergestellten „Schneeflocken“, heute nur noch bekannt unter dem amerikanischen Namen „Popcorn“.

Ende der 1920 er Jahre wurde die Bude umgestaltet und erhielt eine neobarocke Fassade. Die Frontmalerei stammte von dem bekannten Schaustellermaler Fritz Hilbert, die plastischen Umrahmungen der Bildtafeln wurden von einem Passauer Kirchenschnitzer geschaffen. 1938 hatte Werner Guderleys Großmutter, Lisbeth Strössner Herhaus, bei der Fa. Mack in Waldkirch dann den ersten Eiswagen in Auftrag gegeben. Der „rollende Eispalast“ der Schaustellerfamilie hatte den Vorteil, dass sein ganzes Inventar während der Reise im Wagen mitgenommen werden konnte und der Aufbau viel schneller vonstatten gehen konnte als in früheren Zeiten, in denen die Buden immer wieder komplett neu zusammengebaut und eingerichtet werden mussten.